Immanuel - Kant - Gymnasium Pirmasens
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Tanztheater am Kant

Kleine Fabel - Preis der Schönheit

„Die Bilder im Kopf durch Bewegung zugänglich machen“

 

Am Anfang jedes Tanztheaters steht eine Idee, in Form eines Themas, eines Begriffes oder auch nur einer noch sehr vagen Vorstellung. Inspirationen dazu können die unterschiedlichsten Zusammenhänge liefern, seien es die Musik, Bilder, Texte , sei es reine Bewegungsimprovisation. Wie beim Theater, wo die für die Bühne geschriebenen Texte nun einmal nur dann in ihrer ganzen Aussagekraft zu verstehen sind, wenn sie in Szene gesetzt werden, bestenfalls durch die Schauspieler oder in der Vorstellungen der Leser, muss auch die tänzerische Inszenierung bei den Schülern im Kopf entstehen, um sie auf den Körperausdruck übertragen zu können. Die mit den Ideen verbundenen Projektionen, Identifikationen und Stimmungen gilt es dann szenisch so darzustellen, dass die inhaltlichen Aussagen und Figuren erfahrbar werden.

Im Zentrum der Darstellung steht der tänzerische Ausdruck, der die symbolische Welt auf der Bühne entstehen lässt. Im Wechselspiel zwischen genormter Bewegung bestimmter Tanzstile und freier Improvisation entfaltet sich die Choreografie. Da im Gegensatz zum Sprechtheater die Textkomponente meist nur reduziert eingesetzt wird oder ganz fehlt, kommt der Imagination von Bildern besondere Bedeutung zu. Zusätzlich wird die inhaltliche Aussage des Tanzstückes noch durch weitere theatrale Mittel wie Bühnenbild, Requisiten, Kostüm und Licht verstärkt.

Im angegebenen Zeitraum ist eine recht abwechslungsreiche Bilderwerkstatt in der Tanztheater-AG entstanden, die sich in zahlreichen Produktionen niederschlug.

Wie bereits erwähnt, können recht unterschiedliche „Türöffner“ zur Ideenfindung einer Tanztheater-Produktion beitragen. So entstand in der Fortgeschrittenen-Gruppe auf der Grundlage einer fächerübergreifenden Facharbeit in den Fächern Deutsch und Musik ein Tanzstück unter dem Motto „Begegnungen“. Begegnungen zwischen Literatur, Tanz und Musik - was haben sich diese drei Bereiche wohl zu sagen? Die Beantwortung dieser Frage führte zu einem Tanzstück in fünf Szenen, in denen sich die Tänzerinnen mit Gedichten von Gottfried Benn, Paul Celan und Georg Heym auseinandersetzten. Gottfried Benns lyrischer Text „Gedichte“ skizziert die Bedeutung des Wortes in einem zentralen Vers: „Es gibt nur ein Begegnen, im Gedichte die Dinge mystisch bannen durch ein Wort.“ und lieferte damit den Leitspruch für die Konzeption des Tanztheaters.

Dabei wurden Stimmungen und Atmosphäre der Texte tänzerisch und gestalterisch ungesetzt. Ein Schwerpunkt wurde auch darauf gelegt, das Lebensgefühl, das durch die Gedichte repräsentiert wird, in der choreografischen Gestaltung zum Ausdruck zu bringen. Die metaphorische Bedeutung der Texte wurde auch durch Kostüme und Requisitenverstärkt. So charakterisierten Gestalten in Stoffschläuchen die anonyme Masse, rote Bänder standen für unnötig vergossenes Blut, ein überdimensionales Netz zeigte die Verstrickung der Figuren in ihr Schicksal der Vergänglichkeit.

In einen ganz anderen Bereich führten die jüngeren Tanztheater-Mitglieder die Zuschauer mit ihrer Tanzadaption zum Jugendbuch „Momo“ von Michael Ende. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Zeit“, insbesondere der Beschränkung unserer Lebenszeit durch die Anforderungen unserer modernen Welt und unser verantwortungsloser Umgang mit dem kostbaren Gut Zeit für unsere Mitmenschen waren thematische Grundlage des Stückes. Gesichtspunkte wie Zeit investieren, um anderen bei Problemen zuzuhören, Aufgaben in kleinen Schritten anzugehen, Zeit haben für Zuwendung und Unterstützung anderer wurden durch Textauszüge aus dem Roman verdeutlicht.

Mit dem Thema „Außenseiterproblematik“ beschäftigten sich die Schülerinnen 2008. Dabei wurden aktuelle Themen aus ihrer eigenen Lebenswelt wie Gruppenzugehörigkeit und Gruppendruck in der Peer-Group in choreographischer Weise umgesetzt. Die Thematik wurde in die Szenerie einer Disco eingebunden.

Ein Musical-Potpourri führte die Zuschauer durch die bekannten Musicals „Cats“, Starlight Express“, „König der Löwen“ und „Mama Mia“. Bei der Umsetzung des Musicals „Cats“ trugen vor allem die Kostüme und die aufwändige Schminkmaske zur Wirkung der Darstellung bei, während bei „Starlight Express“ das Spiel mit bunten Lichtreflexen durch verschieden farbige Taschenlampen die temporeiche Inszenierung bereicherte. Der Musicalbeitrag „König der Löwen“ war wieder eher etwas für die jüngeren Schüler, die mit entsprechenden Gesichtsmasken und charakteristischen Bewegungen die verschiedenen Tiere darstellten. „Mama Mia“ lehnte sich an die Filmadaption zu den ABBA-Titeln an und machte es sich zur Aufgabe, das Lebensgefühl der 70er Jahre durch entsprechende Kostümierung wie Schlaghosen und Stirnbänder sowie entsprechende typische Bewegungsmuster wieder aufleben zu lassen.

Das Thema „Zeit“ nimmt in unserem Leben eine immer bedeutendere Rolle ein. Anlass genug, sich mit dieser Problematik auch tänzerisch auseinanderzusetzen. Im Tanzstück „Zeitfenster“ schien die Zeit erst einmal angehalten. Doch sobald dieselbe wieder in Gang gebracht wurde, unterlagen die Figuren ihrem Diktat wie Marionetten an ihren Fäden. Nach und nach entwickelten die Tänzer eine Eigendynamik und versuchten der Macht der Zeit zu entwischen. Allerdings ist die Phase außerhalb der Zeit - in einem „Zeitfenster“ - recht kurz und der alles beherrschende Zeittakt holt die Figuren wieder ein. Die Rhythmen des Herzschlages sowie Bewegungen in schwarzen Stoffschläuchen signalisierten die Unterwerfung der Figuren unter die Taktvorgabe des Alltagsrhythmus´, der manchmal auch als Gefängnis empfunden wird.

Im Jubiläumsjahr 2011 leistete die Tanztheater-AG mit der Inszenierung unter dem Motto „Friede den Hütten – Krieg den Palästen!“ ihren Beitrag zu den Feierlichkeiten und schlug mit dem historischen Bezug eine Brücke zum Gründungsdatum der Schule. Ein Bilderszenarium thematisierte die gesellschaftlichen Verhältnisse um 1836 und betrachtete sie im Vergleich mit ihrem Wandel in der Gegenwart. Dabei nahm das Tanzstück die Parole Büchners aus seiner gleichnamigen Flugschrift auf und zeigte die Entwicklung von der Unterdrückung des Bürgertums durch den Adel bis hin zur revolutionären Emanzipation desselben. Kontrastreich wurden zu den Szenen aus geschichtlicher Vergangenheit Erscheinungen der Neuzeit gegenübergestellt, wie sich an einigen Beispielen veranschaulichen lässt: Ein Fest an adligem Hofe gegenüber einer Party Neureicher in der Moderne, Arbeiter und Bauern mit einfachen Handwerksgeräten in Kontrast zu Arbeitern in einer hoch technisierten Fabrik oder auch arme Kinder im Hinterhof im Vergleich mit den heutigen Computer-Kids.

Immer wieder gilt es, neue Ideen zu finden und sie in gestalterischer Weise umzusetzen, was neben der Freude am Ausprobieren und der tänzerischen Bewegung an sich auch durchaus eine Herausforderung für die Schüler darstellt. Wenn am Ende eine gelungene Aufführung als Ergebnis herauskommt und man zufrieden und mit gewissem Stolz auf die Arbeit zurückblicken kann, hat sich der Aufwand jedoch allemal gelohnt.

M. Becker

 

 

                                                                      

 

 



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